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Zürich, 05.04.2022

Fotos: Christian Lanz

«Nachhal­tigkeit hört nicht mit dem Klima-Thema auf»

• Caduff: Frau Ipsaryaris, Aviva ist ein grosser Name im ESG-Business. Sie produ­zieren am Lauf­band hoch­wertiges Research. Ist nicht langsam alles erzählt?

Ipsaryaris: Es wird viel geredet und geschrieben. Aber Nachhal­tigkeit ist ein kom­ple­xes Thema und vor allem nicht abschlie­ssend. Wir werden mit andauern­den Verän­de­rungen kon­fron­tiert wie zum Beispiel dem Krieg in der Ukraine und den damit zusammen­hän­genden Impli­ka­tionen auf unsere Energie­ver­sorgung. Das hat wiederum Impli­ka­tionen auf die Nachhal­tigkeit im Zusammen­hang mit fossilen Energie­trägern. Aviva Investors hat ein Ziel, bis 2040 Net Zero zu erreichen. Das ist ein langer Weg und beinhaltet Meilen­steine und Nachjustie­rungen.

• Caduff: Hand aufs Herz: Haben Sie noch den Über­blick?

Ipsaryaris: Fokus heisst unser Prinzip. «Man kann nicht auf verschie­denen Hoch­zeiten tanzen», wie man so schön sagt. Ich denke, das passt auch auf das Nachhal­tigkeits­thema. Wir bei Aviva konzen­trieren uns auf drei Themen und den darunter­lie­genden SDGs: «Climate» – unser Net Zero bis 2040 Ziel, «People» – Soziales im Wesent­lichen basierend auf den Human Rights Principles und «Earth» – Bio­diver­sität.

• Caduff: Jetzt kommen Sie mit einem weiteren Thema, der Bio­diver­sität. Können Sie das kurz erklären?

Ipsaryaris: Unser Planet steht vor einer akuten Krise des Verlusts von Natur­kapital. Wir verbrauchen mehr Ressourcen, als dass unser Planet bereit­stellen kann. Seit den 70er Jahren haben wir durch Menschen­hand verur­sachte Arten­verluste von über 60 Prozent. Bio­diver­sität hängt von komplexen, oft über­schnei­denden Verbin­dungen zwischen Tieren, Pflanzen und Umwelt ab. Mensch­liche Akti­vitäten stören diese kompli­zierte Dynamik.

• Caduff: Tönt einleuchtend, aber was hat dies mit Finanzen zu tun?

Ipsaryaris: Sehr viel. Mehr als die Hälfte des globalen BIP hängt davon ab. Die Finanz­industrie hat durch das Kapital Einfluss. Arznei­mittel­resis­tente «Super­bugs» beispiels­weise sind eines der schwer­wie­gendsten Risiken für die öffent­liche Gesund­heit, der routine­mässige, nicht-thera­peu­tische Einsatz von Anti­biotika in Liefer­ketten trägt wesentlich zu dem Problem bei. Inves­toren können eine wichtige Rolle bei der Verwaltung der Liefer­ketten spielen. Wir zum Beispiel sind ein Gründungs­unter­zeichner der «Farm Animal Investment Risk & Return-Initia­tive», die ein Ende dieser schäd­lichen Praxis fordert.

• Caduff: Wird es die Investoren­welt inte­ressieren – haben Sie schon Erfahrungen in Gesprächen gemacht?

Ipsaryaris: Wir sehen in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage nach nachhal­tigen Produkten. Anfangs vorwie­gend in «Klima» – für uns als der Asset-Mana­gement-Arm der grössten britischen Versicherungs-Gruppe war Klima schon immer wichtig. Nachhal­tigkeit hört nicht mit dem Klima-Thema auf, wenn man sich die 17 SDGs anschaut, sieht man den Umfang der Heraus­forde­rungen und vor allem die Komple­xität. Dies steigert auch die Nachfrage nach Themen-Strategien in anderen Bereichen.

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