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8. «Experten-Roundtable» in Zürich am 15.09.2020

Vier Profis geben einen Einblick, wie das Geschäft bei ihnen läuft

Caduff: Meine Herren, ist es Ihnen im Homeoffice dann und wann langweilig geworden?

Wenger: Es war sicherlich eine Herausfor­derung, mehr oder weniger über Nacht ins Home­office zu wechseln und das praktisch auf globaler Ebene, aber was es sicher nicht war, ist lang­weilig. Klar geht der persön­liche Kontakt sowohl mit Investoren als auch Kollegen am Anfang ab, die Möglichkeit von Video­konfe­renzen hat hier aber wirklich ihren Lackmus­test bestanden, würde ich sagen. Ausserdem war und ist es wichtig, in heraus­for­dernden Zeiten noch näher am Kunden zu sein. All dies und viele Fragen und Diskussionen zu Investi­tions­themen, Einstiegs­szenarien und ETF-Liqui­dität haben uns sehr stark beschäftigt. Alles in allem wird es in unserer Branche - denke ich - auch nie langweilig, weil es immer neue spannende Themen und Entwick­lungen gibt.

Für das Familienleben waren die schwierigen Umstände eine sehr bereichernde Zeit. Martin Bloch

Bloch: Nein, ganz und gar nicht! Von Lange­weile kann absolut keine Rede sein, da wir bis in den Juni hinein ein sehr hohes Arbeits­volumen hatten und die Tage sehr lang waren. Wir haben uns recht schnell in die Welt des Home­office eingelebt; als Unter­nehmen haben wir seit Jahren bereits dieses Model unter­stützt und dies kurz­fristig auch in der Schweiz umge­setzt. Global hat alles reibungslos funktioniert. Es war eine schöne Erfahrung, von zu Hause aus zu arbeiten und zum Abend­essen mit der ganzen Familie auch recht­zeitig «zu Hause» zu sein. Für das Familien­leben waren die schwierigen Umstände eine sehr bereichernde Zeit. Es wäre auch kaum anders gegangen, da in einer Familie mit zwei Teenagern auch einiges anstand, bei dem Unter­stützung aus Erfahrung nötig war. Für Abwechslung war also auch gesorgt. Auch hilfreich war, dass das Wetter mitge­spielt halt - sogar der sonst so launische April hat uns eigentlich nur Sonnen­schein beschert.

Heusser: Lange­weile haben wir aktuell aus unserem Wortschatz gestrichen. Die Finanz­märkte hielten uns in den vergan­genen sechs Monaten auf Trab, insbe­sondere im März und April. Meinen Arbeits­platz im Handels­raum der Bank Julius Bär habe ich aber nicht ins Home­office, sondern ins Aquarium verlegt. Aquarium, so nennen meine Julius Bär-Kollegen mein tempo­räres Büro. Es befindet sich in einem Nachbar­gebäude des Handels­raums der Bank und ist frontal mit einer grossen Glaswand vom Gang getrennt, deshalb Aquarium. Mit der Einführung von Split Ope­ration arbeitet ein Teil der Handels­mitarbei­tenden im ange­stammten Handels­raum, andere im Home­office und einige in separierten Büros in anderen Bank­gebäuden, so wie ich im Aquarium.

Für mich war es aufregend, die Märkte waren ja extrem volatil und boten gleich­zeitig auch tolle Einstiegs­möglichkeiten. Jens Franck

Franck: Wir wollen natürlich, dass sich möglichst keiner ansteckt, aber viel wichtiger ist, dass sich keinesfalls alle Mitarbei­tenden gleich­zeitig anstecken. Daher haben wir Team «Blau» und Team «Rot» gebildet, und es war immer nur eines der Teams im Büro. Für mich war es aufregend, die Märkte waren ja extrem volatil und boten gleich­zeitig auch tolle Einstiegs­möglich­keiten. Da sitzt man dann zu Hause, es wird einem eine Nachrang­anleihe ange­boten, die gerade auf einem Rendite­niveau von 8 Prozent handelt, und dann muss man den Kollegen im Büro erreichen, weil die Execution nur aus dem Büro erfolgen kann - langweilig war mir nie!

Caduff: Läuft Ihr Business wieder in gewohnten Bahnen – haben Sie viel zu tun?

Heusser: Nach den rekord­verdächtigen Transaktions­volumen in den ersten vier Monaten haben sich die Handels­akti­vitäten wieder beruhigt. Aber weil gerade der Handel für Anlage­fonds via Börse immer beliebter wird und das Potenzial noch lange nicht ausge­schöpft ist, nehmen wir das Wort Lange­weile nicht so schnell wieder in unseren Wortschatz auf. Das Inte­resse steigt täglich, mittlerweile sind es mehr als 450 Anlage­fonds im Handels­segment «Sponsored Funds» von SIX Swiss Exchange. Weitere Neuauf­nahmen folgen in Kürze.

Franck: Wir haben viele neue Erfahrungen gesammelt und auch unsere Kunden haben in der Krise gelernt und hatten sehr grossen Gesprächs­bedarf. Wir verspüren immer noch grosse Unsicherheit und es dominieren Fragen nach der Divergenz der Kapital­markt-Perfor­mance vs. der Unge­wissheit über den zukünf­tigen makro­ökono­mischen Pfad und Fragen nach Risiko­prämien im Credit­bereich und des fairen Niveaus von Zinsen. Gerade die Liqui­dität am Bond­markt war ja ein grosses Problem, da haben viele auf risiko­averse Strategien gesetzt. Das kam unseren defen­siven Mandaten, bei denen wir Credit Default Swaps einsetzen, um das Kredit­risiko zu hedgen, durchaus entgegen. Bemerkens­werter­weise ist das Handels­volumen im CDS-Markt sogar während der heissen Wochen gestiegen, da Inves­toren gar nicht anders absichern konnten. Daher können wir uns über mangelnde Arbeit ganz gewiss nicht beschweren.

Bloch: Wir haben tatsächlich zwei Rekord­quartale hinter uns und bezogen auf Europa das beste Jahr seit dem Bestehen der Firma. Es gibt sowohl im Whole­sale als auch im Insti­tutio­nellen einiges an Akti­vitäten. Den grösseren Teil der ursprünglich geplanten Konfe­renzen haben wir erfolg­reich im virtuellen Raum umsetzen können. Wir haben das Instrument aber sehr selektiv einge­setzt und sind uns bewusst, dass bereits eine gewisse, grund­sätz­liche Müdigkeit auf Seiten der Kunden einsetzt. Die Anzahl solcher Angebote ist sprunghaft ange­stiegen und was anfänglich als ideale Alter­native erachtet wurde, kann plötzlich das Ausmass von unkon­trolliertem «Weiter­leiten» von E-Mails annehmen. Bezüglich der gewohnten Bahnen würde ich sagen: Das ganze Schweizer Team arbeitet seit Ende Juni wieder im Büro, eigentlich heisst es wieder «business as usual» bei uns.

Von der Nachfrage her, sind es neben Sektor-ETFs vor allem Fonds mit Nachhaltig­keits­kompo­nente, die im Fokus sind. Bernhard Wenger

Wenger: Die Umstellung auf das Home­office hat sehr gut geklappt, und wir sind ziemlich schnell in den gewohnten Rhythmus gekommen, wenn auch mit neuartigen Kommu­nikations­wegen. Die Nachfrage nach ETFs hat durch die Krise nicht gelitten, im Gegenteil. Vor allem defen­sive Strategien waren sehr gefragt und auch Gold, was im aktuellen Umfeld nicht verwun­derlich ist. Erfreulich auch, dass ETFs als liquides, transpa­rentes Vehikel sich als krisen­sicheres Finanz­instrument bewiesen haben, was auch von vielen Markt­beobachtern positiv erwähnt wurde. Von der Nachfrage her, sind es neben Sektor-ETFs vor allem Fonds mit Nachhal­tigkeits­kompo­nente, die im Fokus sind. Diesen Trend hat die globale Pandemie sicherlich weiter beschleunigt und es ist hier auf der Produkt­seite auch noch einiges zu erwarten.

Caduff: Welche Ihrer Produkte sind ganz besonders oder haben sogar im Markt ein Allein­stellungs­merkmal?

Wenger: Als Vorreiter im ETF-Bereich und Emittent vieler «erster» ETFs im Markt haben wir es uns bei SPDR zum Ziel gesetzt, relevante und effiziente Lösungen anzubieten. Allein­stellungs­merkmal in Europa hat sicherlich unser ETF auf globale Wandel­anleihen, der einer­seits eine hervor­ragende Perfor­mance aufweist und anderer­seits im aktuellen Umfeld eine wirklich inte­ressante Möglichkeit darstellt, in Aktien zu inves­tieren und gleich­zeitig durch den Bond­floor abge­sichert zu sein. Der ETF ist auch mit Währungs­absi­cherung in Schweizer Franken erhältlich. Infra­struktur ist auch ein wichtiges Thema, hier bieten wir ein Multi-Asset-Produkt an. Hinzu kommen die Evergreens, wo SPDR eine Markt­führer­schaft einnimmt. Ich denke an die Dividend Aristocrats und Sektor-ETFs, die Sie bei uns beziehen können.

Die Vorteile beim Handel via Börse liegen klar auf der Hand, auch der Technik sei Dank. Oliver Heusser

Heusser: Der Handel von Fonds­anteilen via Börse ist grund­sätzlich attraktiv für die Anleger - vor allem dank einer transpa­renten, standardi­sierten und voll­auto­matischen Auftrags­ausführung. Beim Primär­markt hingegen trägt der Investor das Markt­schwankungs­risiko vom Entschei­dungs­zeitpunkt - unter Berück­sichtigung der Annahme­frist - bis zum NAV-Bewertungs­zeitpunkt. Hinzu kommt, dass der Investor bei der Auftrags­ausführung via Primär­markt keine Preis­limite zum NAV mitgeben kann. Die Vorteile beim Handel via Börse liegen klar auf der Hand, auch der Technik sei Dank. Mit technischem Fort­schritt und digi­talem Wandel verlagern sich immer mehr Transaktionen auf auto­mati­sierte Platt­formen.

Franck: Wir gehören zu dem relativ kleinen Kreis der Asset Manager, die auch in Publikums­fonds aktiv Kredit­versiche­rungen, also Credit Default Swaps (CDS) einsetzen. Dabei setzen wir CDS zur Kredit­absi­cherung ein, um so das Risiko-Rendite-Profil zu opti­mieren. Teilweise werden aber CDS auch outright einge­setzt, anstelle des Kaufs einer Anleihe verkaufen wir einen CDS auf denselben Emittenten, um letztlich über Arbi­trage Zusatz­erträge zu reali­sieren. Umgesetzt wird es in unseren drei Kern­produkten der Nega­tiven Basis, einem IG-Credit-Fonds mit extrem geringen Zins­risiko und einem reinen Financial-Credit-Fonds. Letztlich geben wir erklärungs­bedür­ftige Antworten im Umfeld noch lange andauernder niedriger Zins- und Risiko­prämien. Das ist aber auch verständlich in Zeiten von Null- bis Negativ­zinsen in fast allen satu­rierten Märkten. Ziel ist es, für unsere Kunden eine positive Real­ver­zinsung auf mittel- bis langfristige Sicht zu erwirt­schaften.

Bloch: Ende Sommer haben wir einen Fonds im Emerging-Markets-Euro-Income-Bereich lanciert. Im aktuellen Zins­umfeld für Euro-deno­minierte Anleihen stellt das Produkt eine attrak­tive Möglichkeit dar, um auf Euro-Basis Einkommen zu gene­rieren. Das anhal­tende Inte­resse an unserer Emerging-Market-Debt-Total-Return-Strategie ist sehr erfreulich. Ein Unconstrained-Ansatz, gema­naged auf einer Hedge­fonds-Plattform, mit deutlich tieferer Vola­tilität und Downside-capture. Mit einem Upside-capture von über 90 Prozent ist es im aktuellen Tiefzins­umfeld ein ideales Produkt, um von den hohen Coupons zu profi­tieren, ohne die hohe Vola­tilität in Kauf nehmen zu müssen. Wir haben die Markt­schwan­kungen soweit gut über­standen und Wachstum verzeichnet. Auch ist das Timing ideal für zwei neue Strategien, die wir seit längerer Zeit planen und in Kürze umsetzen werden. Beide sind im Bereich Private Equity/Data Centers und stossen auf sehr viel Interesse.

Teilnehmende

Martin Bloch
Managing Director,
Head of Switzerland

Principal Global Investors
(Switzerland) GmbH
Dreikönigstrasse 31a
8002 Zürich

+41-44-286 10 01
E-Mail / Web

Martin Bloch (57) ist Managing Director, Head of Switzerland bei Principal Global Investors (Switzer­land) GmbH und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfah­rung in der Branche. Zuletzt war er als Country Manager und Vertriebs­chef in der Schweiz bei Robeco/RobecoSAM tätig. Davor arbei­tete Bloch acht Jahre als Chef und Gründer von CPP Constant Port­folio Protection. Er hatte zuvor führende Funktionen bei der von der Privat­bank Julius Bär über­nommenen Merrill Lynch Inter­na­tional und der inzwischen mit der EFG fusio­nierten Banca della Svizzera Italiana (BSI).

Jens Franck
Partner & Senior Portfolio­­manager

nordIX AG
Ballindamm 37
20095 Hamburg
Deutschland

+49-40-3099 776 115
E-Mail / Web

Jens Franck ist Partner und Senior Port­folio­manager bei nordIX in Hamburg. Die nordIX AG verwaltet Fonds, die teils oppor­tu­nistisch, teils defensiv in Anleihen inves­tieren und aktiv auch Zins- und Kredit­deri­vate einsetzen. Franck war mehr als 25 Jahre in verschie­denen Funktionen im Renten­handel, Renten-Sales und im Fonds­mana­gement unter anderem bei der MEAG, Deka und Merrill Lynch tätig. Seit 2015 arbeitet er bei nordIX.

Oliver Heusser
Managing Director Senior Advisor,
Head Funds Secondary Trading

Bank Julius Bär & Co. AG
Hohlstrasse 606
8048 Zürich

+41-58-888 87 35
E-Mail / Web

Oliver Heusser leitet seit 2009 das Funds Secon­dary Trading Team bei der Bank Julius Bär. 2009 wechselte er zu dieser Adresse, um den Sekundär­markt in Anlage­fonds bei der Schweizer Privat­bank aufzu­bauen. In den vergan­genen Jahren hat er mit seinem Team den Sekundär­markt in Anlage­fonds weiter­ent­wickelt und unter anderem das Handels­segment «Sponsored Funds» in Zusammen­arbeit mit SIX Swiss Exchange einge­führt. Vor seiner Tätigkeit bei der Bank Julius Bär arbei­tete er zehn Jahre für die UBS Investment Bank. Oliver Heusser besitzt einen Abschluss als Certified Inter­national Investment Analyst CIIA.

Bernhard Wenger

Bernhard Wenger
Country Manager

State Street Global Advisors AG
Beethovenstrasse 19
8002 Zürich

+41-44-245 70 04
E-Mail / Web

Bernhard Wenger ist als Geschäfts­führer bei State Street Global Advisors AG in Zürich primär für die Geschäfts­ent­wicklung und den Vertrieb von «SPDR ETFs» in der Schweiz verant­wortlich. Zuvor war er bei ETF Secu­rities tätig, wo er unter anderem als Head of European Distri­bution den Vertrieb geleitet hat. Im Weiteren hatte Bernhard Wenger leitende Posi­tionen bei Morgan Stanley, HSBC und BNP Paribas inne und verfügt über einen «European Master in Mana­gement» der ESCP Europe (Paris, Oxford, Berlin).

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO

Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail / Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit rund 40 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz