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2. «Experten-Roundtable» in Zürich am 23.10.2018

Drei Finanz-Profis reden über Vola­ti­lität und gute Invest­ment­möglich­keiten

Caduff: Meine Herren, bei den Börsenkursen scheint die Luft raus zu sein. Wie sehen Sie das?

Dr. Mitev: Die US-Wirtschaft befindet sich meiner Meinung nach genau zwei Jahre von der nächsten grossen Rezession, welche eine noch grössere Welt­wirt­schafts­krise als die letzte Finanz­krise auslösen wird. Jetzt ist es aber noch zu früh, über reale unmittel­bare Gefahren zu sprechen. Ich halte nicht viel von Panik­mache, aber man muss sich nur wich­tige wirt­schaft­liche Faktoren anschauen, welche eine entschei­dende Rolle für die künf­tige Entwicklung der Börsen spielen. Für mich sind dies: Fed-Effektiv-Zinssatz, 10-jähriger US-Zinssatz, EUR/USD-Kurs, Rohöl (WTI).

Dr. Zimmermann: Ich gehe davon aus, dass uns die gegen­wärtig gestie­genen Vola­tili­täten noch eine Weile begleiten werden. Aufgrund weiterhin solider Funda­mental­daten und mangels Alter­nativen sollten sich die Aktien­märkte jedoch wieder stabi­lisieren. Selek­tives Inves­tieren ist aus unserer Sicht ein Gebot der Stunde. Deshalb sind wir fokussiert auf die defen­sive Gesund­heits­branche, bei welcher das Wachstum über­durch­schnittlich hoch und die Konjunktur­abhängig­keit gering sind.

Wir raten zu selektivem Investieren - bei Aktien und bei Anleihen. Bernhard Wenger

Wenger: Insgesamt sind wir auch positiv für die Märkte gestimmt. Wir glauben, dass wir im «Last Stage» vom Wirt­schafts­zyklus sind, aber noch nicht am Ende. Das Wachstum wird sich wohl in 2019 verlang­samen, in den USA sieht es aber immer noch gut aus. Wir sehen auch China aktuell positiv. Die Vola­ti­lität wird jedoch im Markt bleiben. Wir raten zu selek­tivem Inves­tieren - bei Aktien und bei Anleihen. Im Aktien­bereich sind ausge­wählte Sektoren besonders inte­ressant.

Caduff: Was macht Ihnen in diesen Tagen an den Märkten trotzdem Freude?

Dr. Zimmermann: Dass sich die Situation um Korea entschärft hat, zumal wir dort vor Jahren mit einem Partner ein Produkt lanciert haben und in lokalen Gesund­heits­firmen investiert sind. Bei den Emerging Markets wird gegen­wärtig alles über eine Leiste geschlagen; wir sehen jedoch in einzelnen Schwellen­ländern gute Anlage­möglich­keiten und inves­tieren anti­zyklisch. Wenn man nur an die Binnen­märkte denkt - China, Indien und Indo­nesien - dort leben drei Milliarden Menschen, das sind zehnmal so viele wie in Amerika. Das darf man einfach nicht aus dem Blick­feld verlieren.

Dr. Mitev: Bin auch Ihrer Meinung. Die Situation um Korea ist erfreulich. Es gibt aber sehr viele andere Faktoren, die derzeit grosse Unsi­cher­heiten in den Markt bringen, beispiels­weise die Brexit-Verhand­lungen. All dies könnte die aktuell noch posi­tiven makro­öko­nomischen Rahmen­daten eintrüben.

Wenger: Der Emerging-Markets-Bereich gefällt uns insgesamt gut, gerade bei den «Local Currencies» und potenziell auch im Aktien­markt. Wir denken, das Handels­krieg-Thema USA/China wird nach den kommenden Wahlen in Amerika eine geringere Rolle spielen. Der von China ausge­hende Stimulus könnte auch auf andere Emerging Markets positiv ausstrahlen. Wie schon erwähnt, sehen wir auch gute Möglich­keiten, selektiv in Aktien­sektoren zu inves­tieren, speziell im aktuellen Umfeld.

Caduff: Wie ist die Stimmung auf Kundenseite?

Dr. Mitev: Die Stimmung ist gut, obwohl die Kunden aktuell etwas verunsichert sind. Aber sie fragen nach unseren Dienst­leistungen, was mich natürlich sehr freut.

Wenger: Es war auch schon mal entspannter, aber wir sehen keine Inves­toren, die jetzt im breiten Umfang Posi­tionen auflösen. Aufgrund der posi­tiven Funda­mental­daten halten sich Käufe und Verkäufe ziemlich die Waage, dies bei einer insgesamt eher verhal­tenen Stimmung. Investiert sein mit etwaigen Absiche­rungen, speziell auch bei Währungen, das scheint das Gebot der Stunde zu sein. Wir sehen aber doch etwas weniger Risiko­bereit­schaft. Ein Thema, das unab­hängig von der Lage an den Märkten eine Vielzahl an Inves­toren beschäftigt, ist das Thema Nach­haltig­keit. Lösungen im Bereich ESG und SRI werden in Zukunft eine grössere Rolle spielen.

Die Kunden sind sehr zufrieden, da wir in den letzten Jahren einen sehr guten Lauf hatten und eine starke Performance ablieferten. Dr. Cyrill Zimmermann

Dr. Zimmermann: Die Kunden sind sehr zufrieden, da wir in den letzten Jahren einen sehr guten Lauf hatten und mit den meisten Gesund­heits­fonds eine starke Perfor­mance ablie­ferten, das heisst: wir haben die Refe­renz­indizes massiv out­performt. Sie wissen, dass wir mit unserem diszi­pli­nierten Vorgehen Mehr­wert schaffen können. Aber klar bleibt die Vola­tilität der Finanz­märkte gegen­wärtig das vordring­liche Kunden­thema.

Caduff: Welche Ihrer Produkte laufen aktuell besonders gut?

Dr. Zimmermann: Kollege Wenger, ESG - das ist sehr erfreulich von Ihnen zu hören! Im September hat uns die Bundes­ministerin Österreichs, Frau Köstinger, dafür eine Auszeichnung verliehen, da wir den ersten nach­hal­tigen Gesund­heits­fonds lanciert haben. Beim Thema Gesund­heit läuft zur Zeit alles, was Tech-affin ist. Seit drei Jahren sind wir zum Beispiel in Digital Health posi­tioniert. Dank unserer guten Perfor­mance konnten wir mit einem neulan­cierten Fonds­produkt gleich 100 Mio. US-Dollar einsammeln. Wir sehen aber auch, dass Biotech wieder anzieht. Gerade in den Bereichen Krebs, Alzheimer und bei Gen­therapie gibt es Durch­brüche. Medtech bleibt natürlich auch ein grosses Thema.

Wenger: Produkte auf den breiten US-Markt sind seit längerem sehr gesucht. Bei Aktien­sektoren sehen wir auch verstärkte Akti­vität. Emerging-Markets-Anleihen in Lokal­währungen sind ein ständiges Thema bei Inves­toren. Wir sehen auch Positio­nierungen am kurzen Ende in Euro Corpo­rates und in Euro Government Bonds. Was Kunden­anfragen betrifft, sind konser­vati­vere Aktien­produkte wie Low Vola­tility oder Divi­den­den­stra­tegien oder auch Conver­tible Bonds gefragt, was auf eine eher defen­sivere Ausrichtung hindeutet.

Wir sehen verstärkt Interesse an Multi-Assets-Indizes. Dr. Miro Mitev

Dr. Mitev: Auf unserer Seite sehen wir verstärkt Interesse an Multi-Assets-Indizes. Diver­sifi­kation ist für Inves­toren aktuell offensichtlich wichtig. Auch Indizes auf Emerging Markets werden gut nach­gefragt. Hier muss man bereit sein, recht­zeitig wieder in die Märkte reinzu­kommen, um die Oppor­tuni­täten nutzen zu können.

Caduff: Was planen Sie für die nähere Zukunft?

Wenger: Wir sind in ständigem Austausch mit unseren Investoren, was Lösungs­angebote betrifft. Wir hören gerne zu und wollen nicht Produkte drauflos emittieren. In diesem Jahr haben wir einiges im Währungs-gehedgten Bereich gebracht und ab 29. Oktober 2018 ist in der Schweiz auch der neu gestaltete US-Aktien­sektor der Kommu­nika­tions­dienste über einen SPDR ETF inves­tierbar.

Dr. Zimmermann: Wir sind dieses Jahr sehr aktiv gewesen und haben drei Produkte lanciert, sodass wir jetzt euro­paweit der breiteste Produkte­anbieter von Gesund­heits­fonds sind. Mit unserer Plattform werden wir weitere Produkte auf den Markt bringen. Nach­haltig­keit ist ein grosses Thema für uns. Wir sind uns auch am Über­legen, ein Sharia-konformes Produkt zu lancieren, um vermehrt Anleger aus dem Nahen Osten zu gewinnen. Und mit Vontobel haben wir diesen Sommer ein Gen­therapie-Index­zerti­fikat aufgelegt. Mit unserem Digital-Health-Fonds haben wir zudem den Zeit­geist aufge­griffen. Wenn Sie die grossen Tech-Firmen anschauen - alle inte­ressieren sich für das Thema Gesund­heit! So habe ich kürzlich den CTO von Google in Macao getroffen - nur ein Beispiel: 400 Millionen Menschen haben welt­weit Diabetes, davon 100 Millionen in China und von diesen werden nur 10 Millionen mit Insulin therapiert - das Infor­mations­bedürfnis ist riesig und Digital Health ein funda­men­taler Case - vor allem auch in den Bereichen der Robotik, Tele­medizin und Sensor­technik.

Dr. Mitev: Digita­lisierung ist ein gutes Stich­wort, das wir stark adressieren. Mit unserem Track-record über die letzten 15 Jahren sehen wir jetzt die Möglich­keit, unsere Dienst­leis­tungen auf die B2C-Schiene zu bringen, insbe­sondere in den Bereichen Wealth Mana­gement und Robo.

Teilnehmende

Dr. Miro Mitev
CEO

iQ-FOXX Indices Ltd.
Lugeck 6
1010 Wien
Österreich

+43-1-512 1724 20
E-Mail / Web

Dr. Miro Mitev ist Gründer und CEO der iQ-FOXX Indizes und verfügt über 20 Jahre Berufs­er­fahrung im Asset Mana­gement in der Zusammen­arbeit mit Banken, insti­tutio­nellen Inves­toren und Fonds­gesell­schaften. Mitev ist ein Pionier der Digi­tali­sierung des Asset Mana­gements und befasst sich seit seinem Studium der Finanz­wissen­schaften mit dieser Materie. Er befasste sich bereits in seiner Abschluss­arbeit in 2000 mit diesem Thema: «Einsatz von künst­lichen neuro­nalen Netz­werken im modernen Port­folio­mana­gement.» In seiner Doktor­arbeit «A Syste­matic Investment Process for Alter­na­tive and Tradi­tional Investment Strategies» stellte er im Jahr 2003 erstmals einen voll digi­tali­sierten Invest­ment­prozess als Vorreiter heutiger Robo-Advisors vor. Als Head of Portfolio Mana­gement bei der Siemens AG legte er den Grund­stein für die Kombi­nation von Wissen­schaft und Vermö­gens­ver­waltung sowie für die Prognose­modelle von iQ-FOXX und dessen Live-Track-Rekord seit 2006. Die entwic­kelten Modelle wurden bei Siemens auch in Zusammen­arbeit mit Invest­ment­banken erfolg­reich eingesetzt. Ab 2009 war er Head of Structured Solutions & ETFs bei der C-Quadrat Kapital­anlage AG. Im Zuge eines Mana­gement-Buy-outs gründete er im Früh­jahr 2012 den unab­hän­gigen Index­spezia­listen iQ-FOXX.

Bernhard Wenger
Head of SPDR ETFs Switzerland

State Street Global Advisors AG
Beethovenstrasse 19
8002 Zürich

+41-44-245 70 04
E-Mail / Web

Bernhard Wenger ist bei State Street Global Advisors für die Geschäfts­ent­wicklung und den Vertrieb von SPDR ETFs in der Schweiz verant­wortlich. Zuvor war er bei ETF Secu­rities tätig, wo er zuletzt als Head of European Distri­bution den Vertrieb geleitet hat. Im Weiteren hatte Bernhard Wenger leitende Posi­tionen bei Morgan Stanley, HSBC und BNP Paribas inne und verfügt über einen «European Master in Mana­gement» der ESCP Europe (Paris, Oxford, Berlin).

Dr. Cyrill Zimmermann
Leiter Healthcare Funds & Mandates

Bellevue Asset Management AG
Seestrasse 16
8700 Küsnacht

+41-44-267 73 11
E-Mail / Web

Dr. Cyrill Zimmerman ist Leiter Healt­hcare Funds & Mandates sowie Mit­glied der Geschäfts­leitung von Bellevue Asset Mana­gement. 2001 gründete er Adamant Bio­medical Invest­ments und leitete die Invest­ment­boutique bis zur Über­nahme durch Bellevue in 2014. Cyrill Zimmermann promo­vierte an der Uni­ver­sität Zürich.

Moderator

Thomas J. Caduff
CEO

Fundplat GmbH
Badenerstrasse 144
8004 Zürich

+41-44-212 77 77
E-Mail / Web

Thomas J. Caduff ist CEO der Fundplat GmbH. Er ist seit über 30 Jahren in der Finanz­industrie tätig. Zu seinen beruf­lichen Stationen gehörten das Börsen­kommissariat des Kantons Zürich, die Bank Vontobel, die Credit Suisse und die UBS. Thomas J. Caduff diente ferner drei Jahr­zehnte lang in einer Division und mehreren Brigaden der Schweizer Armee als Kommunikations-/​Medienoffizier.

Fotos

Fotos: Christian Lanz