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«Wie Sie die Welt verbessern und damit Geld verdienen»

Manfred Wiegel
Manfred Wiegel
Vorstand
green benefit AG, Fürth greenbenefit.com

Herr Wiegel, ist der Titel Ihr Slogan?

Das ist weniger ein Slogan, sondern eher eine Firmenphilosophie unseres Unternehmens green benefit AG. Die Überlegung, dass bei einer Investition nicht nur die Performance wichtig ist, sondern auch sinnvoll investiert werden soll, führte bei uns zu dem Vorgehen, dass wir vor jeder Investitions-Entscheidung prüfen, ob durch diese Investition tatsächlich unsere Welt besser gemacht werden kann. Sinnvoll sehen wir Investitionen an, bei denen die Umwelt (Environment), die Menschen (Social) und die Unternehmen (Governance) profitieren und positiv gestaltet werden. Mit diesen Investitionen wollen wir dann einen benefit in Form einer Performance für unsere Anleger generieren.

Die Welt-Klima Konferenz hat erst kürzlich in Paris getagt. Inwieweit sind deren Beschlüsse wichtig für Ihre Investitionsentscheidungen als Fondsmanager?

Die Beschlüsse vom 12. Dezember 2015 in Paris werden weltweit wegweisend sein für viele Unternehmen und Staaten, denn diese haben nun die Planungssicherheit, die sie für ihre langfristigen Investitionen benötigen. Die Ziele wurden definiert mit der Verlagerung auf eine CO2- arme Produktionsweise und auch erhöhte Investitionen in bestimmte Sektoren. Laut Goldman Sachs, Barclays und Bank of America werden erneuerbare Energien wie beispielsweise Wind und Solar besonders von den Beschlüssen profitieren. Auch Unternehmen aus den Branchen Energieeffizienz, LED, Elektromobilität und Energiespeicher wären sehr aussichtsreich.

Genau auf diese Sektoren haben wir bei unserem Fonds «green benefit Nachhaltigkeit Plus» den Schwerpunkt gelegt und sind dort stark investiert. Die ersten Auswirkungen sahen wir bereits im Dezember 2015 als unser Fonds gegenüber dem allgemeinen Markttrend um über 10 Prozent im Wert ansteigen konnte. Der Fonds hat das langfristige Ziel, eine überdurchschnittliche Rendite für unsere Anleger zu erwirtschaften.

Somit kann man mit nachhaltigen Investments tatsächlich gutes Geld verdienen?

Ja, davon sind wir absolut überzeugt. Bei unserem Investitionsansatz, der mittel- bis langfristig ausgerichtet ist, sollte man allerdings auch einen längerfristigen Anlagehorizont einplanen, da die kurzfristige Volatilität teilweise sehr hoch sein kann.

Woher resultiert die aktuelle hohe Volatilität in Ihrem Fonds?

Diese kommt insbesondere von der hohen Gewichtung von sogenannten Small oder Mid Caps, der hohen Korrelation zu Emerging Markets, unter anderem China und den starken Schwankungen der Rohstoffpreise, beispielsweise Öl.

Ist die hohe Korrelation der Aktien von erneuerbaren Energie-Unternehmen und dem Ölpreis aus Ihrer Sicht begründet?

Tatsächlich gibt es langfristig keine Zusammenhänge zwischen der Entwicklung des Strompreises und des Ölpreises. Mit Wind- und Solarenergie wird Strom hergestellt. Allerdings gründet sich nur 5 Prozent der weltweiten Stromherstellung auf der Verwendung von Öl. Der Ölpreis ist in den letzten 18 Monaten um über 70 Prozent eingebrochen, im neuen Jahr 2016 verzeichnete er einen Rückgang von über 25 Prozent. In der allgemeinen Wahrnehmung wird durch den massiven Rückgang der Ölpreise und auch der Preisreduzierung bei Gas und Kohle ein Preisverfall bei Energie-Unternehmen festgestellt. Und es wird unterstellt, dass deshalb die Energiegewinnung durch erneuerbare Energien weniger nachgefragt ist.

Laut Bloomberg New Energy Finance vom 15. Januar 2016 ist aber genau das Gegenteil der Fall. Trotz des Preisverfalls bei Öl konnten die Investitionen in Wind und Solar im Jahr 2015 ein Rekordvolumen von 329,3 Mrd. US-Dollar erreichen. Michael Liebreich von Bloomberg: «Diese Zahlen sind eine atemberaubende Antwort an alle, die geglaubt hatten, dass Investitionen in erneuerbare Energien wegen des Öl- und Gaspreisverfalls zurückgehen würden. Sie zeigen die zunehmende Konkurrenzfähigkeit von Solar- und Windenergie.»

Investitionen im Ölsektor werden laut Wood Machenzie Ltd. im Jahr 2016 um 380 Mrd. US-Dollar gekürzt und manche Unternehmen gehen in den sogenannten Überlebensmodus über. Dies betrifft allerdings die Investitionen in erneuerbare Energien nicht, da beispielsweise erst kurz vor Weihnachten 2015 die Steuervergünstigungen in den USA um fünf Jahre verlängert wurden und laut greentechmedia führt dies zu Mehrinvestitionen von über 25 GW in Solar und Wind - eine Steigerung von 54 Prozent in den USA bis 2020.

Welchen Einfluss hatten die Schwankungen in China auf Ihren Fonds?

Wir sind zu ca. 16 Prozent in Aktien aus Hongkong investiert und auch bei einigen Firmen, die ihren Sitz in China haben, aber deren ADRs handeln wir über die Börse in New York. Wir haben also keine direkten Investments an den chinesischen Börsen. Schon im August gab es bei den Verwerfungen an den chinesischen Börsen Rückkoppelungen zu unseren Werten. Die Anleger konnten in China wegen der Regulierung der Aufsichtsbehörde nicht verkaufen und deshalb verkauften sie die Werte in Hongkong oder an der Nasdaq, um zu Cash zu gelangen. Deshalb wurden auch manche unserer Werte mit heruntergezogen mit teilweise aberwitzigen Kursrückschlägen im August, von denen sie sich aber wieder erholen konnten. Dasselbe Phänomen sahen wir in den ersten zwei Wochen im neuen Jahr 2016 und die Kurse korrigierten abermals deutlich. Dabei hatten einige unserer führenden Unternehmen aus dem Solarsektor neue Rekordumsätze erzielen können und allein in China wurden im Jahr 2015 über 17 Prozent mehr als im Vorjahr in Erneuerbare investiert mit über 110,5 Mrd. US-Dollar. China war damit der grösste Markt für erneuerbare Energien weltweit. Es besteht aber weiterhin ein grosses Potenzial, da aktuell nur ca. 1 Prozent der Energieerzeugung in China mit erneuerbaren Energien getätigt wird und jeder kennt die Smogprobleme in den chinesischen Grossstädten, deren Bekämpfung die chinesische Regierung ganz oben auf die Agenda des Fünfjahresplans stellte.

Was sollte der Anleger basierend auf diesen Informationen tun?

Die Anleger sollten Geduld aufbringen und die höhere Volatilität, die Investitionen in erneuerbare Energien mitbringen, akzeptieren. Die Erkenntnis, dass die Finanzmärkte nie eins zu eins die Realwirtschaft abbilden, ist sehr wichtig. Aktuell sind durch die externen Einflüsse, von denen die Unternehmen betroffen sind, die Bewertungen teilweise extrem günstig. Ich darf meinen geschätzten Kollegen Frank Lingohr, der leider letztes Jahr verstorben ist, zitieren: «Das Wichtigste ist, die Börse ignorieren und sich um die Unternehmen kümmern! » Diesen klugen und bewährten Rat befolgen wir und suchen die besten und günstigsten Aktien aus zehn verschiedenen Sektoren der Nachhaltigkeit. Neben erneuerbaren Energien sind das auch LED, Mobilität, Energieeffizienz, Wasser, Nahrung und Forstwirtschaft. Verbunden mit einem aktiven Management-Ansatz und einem hohen sogenannten Aktive Share von 99,4 Prozent im Vergleich zum Stoxx ESG Index Global Leaders Index und einem konzentriertem Portfolio. Wir sehen zurzeit eher günstige Kaufkurse und sind deshalb voll in Aktien investiert.

Sie machen einen sehr überzeugten Eindruck bezüglich Ihrer Investments in Ihrem Fonds.

Das ist richtig und auch unbedingt wichtig. Ein Fondsmanager ist wie ein Fussballtrainer. Er kennt seine Mannschaft in- und auswendig und stellt sich schützend vor seine Mannschaft, wenn sie wegen Krankheit oder Formschwäche einmal nicht den Erfolg hat. Und wenn dann die Meute der Medien auf seine Mannschaft einprügelt, lässt er sich nicht beirren und ist weiterhin überzeugt, dass er mit dieser Mannschaft Meisterschaften gewinnen kann und er weiss genau, dass er auch einen Grund zu dieser Überzeugung hat, sonst hätte er die einzelnen Spieler nicht mehr in der Mannschaft und hätte sie bereits verkauft.

Wir sind der Überzeugung, dass gerade bei Fehleinschätzungen der Märkte und der extremen Einflüsse der Börsen, gerade auch durch die chinesischen Börsen, an eigentlich nicht betroffenen Unternehmen festgehalten werden sollte, aber auch die eigene Überzeugung und die Gründe dafür entsprechend kommuniziert werden sollten.

Wann ist Ihrer Meinung nach der beste Zeitpunkt, einem Fondsmanager Geld anzuvertrauen?

Ich möchte hier gerne aus einer Studie von Barclays zitieren. Dort wird festgestellt, dass der beste Zeitpunkt einem Fondsmanager Geld zu geben, folgender ist: «Der Investment- Prozess ist genau definiert, der Fondsmanager hat gezeigt, dass seine Strategie funktioniert und gut performt hat und diese Strategie aktuell ein Nachholpotenzial aufweist.»

Wo finden sich weitere Informationen?

Wir finden Transparenz sehr wichtig. Deshalb posten wir auf unserer Homepage unter http://greenbenefit.com/aktuelles.html die neuesten Informationen über Unternehmen, in die wir investieren oder die wir beobachten. Es ist unser Ziel, dass sich die Investoren mit den Unternehmen im Fonds noch besser identifizieren können. Ausserdem filtern wir über 185 Homepages zum Thema Nachhaltigkeit und twittern die interessantesten Informationen bei twitter: @ecoberater.

Interview: Thomas J. Caduff

Zur Person

Manfred Wiegel studierte Finanzökonomie an der european business school (ebs), Oestrich-Winkel. Er ist einer der ersten Certified Financial Planner (CFP) in Deutschland und war zehn Jahre im Vorstand einer Vermögensverwaltung. Heute bringt er das langjährige Know-how in sein eigenes Unternehmen green benefit AG mit Sitz in Fürth bei Nürnberg ein. Wiegel hat sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert und ist ein gefragter Experte zu diesem Thema. Mehrere Jahre managte er den Parium Sustainability Fund, dessen Rating von Morningstar 2014 fünf Sterne aufwies und von Lipper Leaders 2014 im Dreijahres-Rating und Gesamtrating mit der Bestnote 5 bewertet wurde.