White Labelling, Wandelanleihen, Fonds-Daten und -Dokumente
• Caduff: Meine Herren, wie laufen die Geschäfte in diesem Jahr?
Gasser: Auch in diesem Jahr hat sich der positive Geschäftsverlauf bei AgaNola fortgesetzt, und wir dürfen uns über ein anhaltend dynamisches Wachstum bei verwalteten Kundenvermögen freuen. Einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet unser Wandelanleihen-Angebot. Gerade im aktuellen Marktumfeld können die Wandler ihre Stärken ausspielen und bieten Anlegern, die angesichts von Rekordständen trotzdem im Aktienmarkt investiert sein wollen, ein attraktives Risiko-Ertrags-Profil. Auch für mögliche Szenarien für den Rest des Jahres sehen wir die Wandler gut positioniert. Sie dürften einerseits von steigenden Kursen profitieren, andererseits käme Wandelanleihen bei fallenden Kursen die derzeit moderate Aktiensensitivität entgegen. Zudem dürften die «Bond Floors», je nach Kreditqualität, die Verluste rasch abfedern.
Zürcher: Wir sind mit dem Geschäftsgang soweit zufrieden. Das Jahr 2019 ist für UBS White Labelling Services wiederum, wie auch schon 2018, ein herausforderndes Jahr. Neben den immer neuen regulatorischen Anforderungen werden auch die Kundenprojekte zunehmend komplexer und deren Umsetzung dauert entsprechend länger. Sprich, wenn wir unter Umständen ein Projekt im Mai dieses Jahres starten, kann sich dessen Abschluss leicht bis ins kommende Jahr hineinziehen. Wir arbeiten mit Hochdruck in den definierten Zielmärkten, so auch in Deutschland, an vielen unterschiedlichen Projekten, um das Wachstum in diesem Jahr aber auch für die kommenden Jahre entsprechend sicherstellen zu können.
Ehmann: Wir können definitiv nicht klagen. Seit unserem Zusammenschluss mit dem britischen Fondsinformations-Provider FE zu FE fundinfo sind wir nun weltweit über 600 Mitarbeitende mit einem grossen Produktportfolio. Dadurch können wir unseren Kunden ein sehr grosses Spektrum an Dienstleistungen offerieren, mit dem Ziel, deren Arbeitsabläufe zu erleichtern und zu verbessern. Darüber hinaus zahlt sich unsere Strategie aus, unseren Kunden zu jederzeit und in jeder Marktphase aufmerksam zuzuhören und ihnen genau diejenigen Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen. Wir merken das inzwischen sehr stark im Alltagsgeschäft. Unsere Kunden haben ein grosses Vertrauen in uns und kontaktieren uns bei neuen Herausforderungen, die wir dann oftmals in einen Service umsetzen.
• Caduff: Was sind Ihre Kernkompetenzen?
Zürcher: Unsere Kernkompetenzen sehe ich in der vollumfänglichen Beratung und Betreuung von neuen respektive von unseren bestehenden Kunden über sämtliche Stufen des Lebenszyklusses einer Struktur hinweg, also konkret von der initialen Beratung betreffend Wahl der für den betreffenden Kunden besten Struktur inklusive allen notwendigen weiteren Service Providern, über die Implementierung und Operationalisierung der gewählten Struktur bis hin zur Lancierung und Betreuung im täglichen Betrieb. So können wir beispielsweise aufgrund des gelebten Zusammenarbeitsmodells und der sehr engen Zusammenarbeit zwischen der Verwaltungsgesellschaft UBS Fund Management (Luxemburg) SA und der Verwahrstelle UBS Europe SE Luxemburg Branch eine enge Kundenbetreuung und vor allem zeitnahe Beantwortung von gestellten Anfragen sicherstellen.
Das Verständnis des Geschäfts und der Bedürfnisse unserer Kunden in unser Verwaltungsgesellschafft und Verwahrstelle über sämtliche Anlageklassen und Kundensegmente hinweg aufgrund unserer langjährigen Erfahrung und Herkunft als Teil eines global agierenden Asset Managers stellen eine wichtige Voraussetzung dar, welche es ermöglicht, für unsere Kunden einen nachhaltigen Mehrwert zu schaffen. Unsere offene Plattform unterstreicht dieses Vorhaben, bestmöglich auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden direkt einzugehen. Ein weiterer Vorteil bei UBS besteht darin, dass unsere Kunden über das reine Fondskonstrukt hinaus betreffend Client Coverage in die UBS-Gruppenstruktur divisionsübergreifend eingebettet werden können und so direkt in den Genuss des ganzheitlichen Angebots der UBS-Dienstleistungen kommen.
Über 550 Fondgesellschaften und mehr als 250 Distributoren vertrauen bereits heute auf unsere Dienstleistungen. Alexander Ehmann
Ehmann: Traditionell liegt unser Fokus auf der Veröffentlichung sowie der Verteilung von Fondsdaten und -dokumenten bis hin zum Point of Sale. In diesem Bereich verfügen wir mittlerweile über das mit Abstand grösste globale Netzwerk an Distributoren, Vendoren und Medien. Auf diese Weise können wir unsere Kunden optimal bei ihren Vertriebsprozessen unterstützen, während sich Fondsgesellschaften und Banken jeweils voll und ganz auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können: das Management und den Vertrieb von Investmentfonds. Über 550 Fondgesellschaften und mehr als 250 Distributoren vertrauen bereits heute auf unsere Dienstleistungen.
Gasser: Als spezialisierter Asset Manager liegen unsere Kernkompetenzen in den Bereichen Fixed Income Investments, wie Unternehmens- und eben Wandelanleihen. Wir managen sehr erfolgreich Fonds in diesen Bereichen in Zusammenarbeit mit Credit Suisse Asset Management. Unser Dienstleistungsspektrum beinhaltet zudem eine Bandbreite von Dienstleistungen – von der Beratung auf Produkteebene bis hin zu Managed Accounts und der Beratung von Investmentkomitees. Pensionsfonds, private Investoren, HNWIs und Family Offices dürfen wir zu unseren Kunden zählen.
• Caduff: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sie?
Ehmann: Mit über 11.000 zum Vertrieb zugelassenen Publikumsfunds und damit eines der grössten Länder weltweit, was den Fondsvertrieb angeht, ist Deutschland natürlich einer unserer Kernmärkte. Mit unserer inzwischen sehr grossen Produktpalette sehen wir hier für die kommenden Jahre grosse Wachstumsmöglichkeiten.
Auch wegen der hohen Investmentkultur ist Deutschland ein sehr interessanter Markt für uns. Oliver Gasser
Gasser: Schon allein aufgrund der schieren Grösse des Marktes und der grossen Anzahl an institutionellen und qualifizierten Investoren, aber auch wegen der hohen Investmentkultur ist Deutschland ein sehr interessanter Markt für uns. Wir sind besonders stolz darauf, dort schon heute namhafte institutionelle Investoren zu unseren Kunden zählen zu dürfen. Für die weitere Marktentwicklung wird unsere strategische Allianz mit Credit Suisse Asset Management eine wichtige Rolle spielen. Über das breite und etablierte Netzwerk unseres Partners lassen sich für uns neue und interessante Wachstumspotenziale erschliessen.
Zürcher: Natürlich nimmt der deutsche Markt in Europa sicherlich eine zentrale Rolle ein und ist deshalb auch für uns sehr wichtig. Jedoch dürfen wir dabei auch nicht vergessen, dass der deutsche Markt etabliert und ein Heimmarkt ist, sprich, es finden sich hier viele etablierte lokale Anbieter, die sich schon lange im Markt bewegen. Der deutsche Markt ist zudem extrem kostensensitiv und gerade die grossen und bekannten Anbieter, ohne an dieser Stelle Namen zu nennen, bieten ihre Dienstleistungen vor allem im Bereich der traditionellen Anlagen, konkret also im UCITS- oder OGAW-Bereich, auf einem Preisniveau an, bei welchem es sich für UBS schwierig gestaltet, mitzuhalten. Anders sieht es unseres Erachtens im nicht traditionellen, also alternativen Bereich oder bei Nischenprodukten aus. Darin sehen wir unsere eigentliche Chance, im White-Labelling-Bereich in den deutschen Markt eintreten und entsprechend wachsen zu können. Und der deutsche Markt und dessen Nachfrage nach alternativen Anlagelösungen erachten wir als substantiell und stark im Wachsen begriffen. Sicherlich existieren die in der Literatur oft zitierten «Low Hanging Fruits» in der Praxis wohl leider nicht, doch wir sind, was unser Wachstumspotenzial im deutschen Markt angeht, äusserst positiv gestimmt.
• Caduff: Haben Sie viele Wettbewerber?
Gasser: Nach dem Motto «Wir sind nur in ausgesuchten Bereichen tätig, wollen dort aber zur Spitze zählen», konzentrieren wir uns als spezialisierter Asset Manager auf Nischeninvestments wie zum Beispiel Wandelanleihen, eine unterschätzte Anlageklasse mit grossem Potenzial. In diesen Segmenten ist die Anzahl der Anbieter sehr überschaubar – auch in hochentwickelten Märkten wie Deutschland. Dank unserer Spezialisierung in Kombination mit der generell wachsenden Bedeutung dieser Anlageklasse rechnen wir uns auch im deutschen Markt gute Chancen aus.
Unsere Grösse im White-Labelling-Geschäft, und nicht zu vergessen der Brand UBS, helfen uns. Patrice Zürcher
Zürcher: Ja, in der Tat tummeln sich – wie schon gesagt – auf dem deutschen Markt viele Mitbewerber, seien es deutsche oder aber auch ausländische Gesellschaften, welche sich einen Teil vom Kuchen abzuschneiden versuchen. Aber grundsätzlich belebt ja die Konkurrenz den Markt und ist zumindest vordergründig für diejenigen Marktteilnehmer von Vorteil, welche sich auf der «Buy-Side» befinden und die notwendigen Dienstleistungen einkaufen, um einen Fonds aufzulegen. Sprich, die Dienstleistungen werden tendenziell sicherlich günstiger angeboten, wenn sich viele Anbieter auf einem Markt bewegen. Wir sind jedoch von unserer Plattform, unserem Angebot und vor allem unserer Servicequalität überzeugt. Die Skalierbarkeit unserer Plattform zusammen mit unserer Grösse im White-Labelling-Geschäft, und nicht zu vergessen der Brand UBS, helfen uns, dass wir uns auch im deutschen Markt etablieren können.
Ehmann: Nachdem wir ja ein hochspezialisierter Dienstleister sind, ist die Anzahl an Wettbewerbern im internationalen Bereich eher überschaubar. Auf lokaler Ebene sieht das allerdings anders aus. Weltweit gibt es sehr viele Service Provider, die ihre Dienstleistungen ausschliesslich auf Länderebene anbieten. Für uns ist das gewissermassen aber auch hilfreich, da wir auch mit vielen lokalen Wettbewerbern zusammenarbeiten. Für unsere Kunden zählt ja berechtigterweise nur das Ergebnis, dass Fondsdaten und -dokumente korrekt und zeitnah dem Vertrieb zur Verfügung stehen. Wie wir Service Provider die Datenströme untereinander regeln, soll ja auch nicht die Aufgabe von Asset Managern und Distributoren sein.
• Caduff: Wie wollen Sie weiter wachsen?
Zürcher: Um die Wachstumsstrategie festlegen zu können, muss ein Markt sorgfältig analysiert werden. Wie oben schon erwähnt, macht es für uns wenig Sinn zu versuchen, die etablierten deutschen Anbieter im traditionellen Geschäft allzu stark konkurrenzieren zu wollen. Vielmehr ist unsere Wachstumsstrategie darauf ausgerichtet, in speziellen Nischen, zum Beispiel Unit-Linked-Lösungen für Versicherungen oder im alternativen Bereich, beispielsweise im Private-Equity-, Private-Debt- oder Infrastruktur-Sektor, zu wachsen. Ein Bereich, in welchem wir klar auch die Karte bezüglich Luxemburger Standortvorteil im Sinne der in Luxemburg verfügbaren, vielfältigen Anlageregimes/-vehikel (zum Beispiel RAIF, ELTIF, SIF, etc.) oder der geschäftsfördernden Praxis des Regulators, spielen wollen. So sind wir unter anderem dabei, in Luxemburg je eine RAIF- und SIF-SICAV-Umbrellastruktur aufzulegen, in welchen wir Kunden kostengünstig die Auflage von Teilvermögen zwecks Umsetzung von alternativen Anlagestrategien anbieten können. Wie oben schon erwähnt, erachten wir das Wachstumspotenzial gerade im alternativen Bereich infolge der Negativzinsproblematik und der generellen Situation an den Märkten als substantiell, zumal auch die Nachfrage nach alternativen ja gar illiquideren Anlagemöglichkeiten im Wholesale-Bereich doch zunehmend im Steigen begriffen ist.
Ehmann: Unser vorrangiges Ziel ist es, der weltweit führende Informationsdienstleister für die Fondsindustrie zu werden. Dies ist auch gar nicht so abwegig, denn mit Blick auf das Dienstleistungsportfolio von FE fundinfo können wir fast die komplette Wertschöpfungskette von der Erstellung eines Dokuments über die Einreichung bei den Aufsichtsbehörden bis hin zur zeitgenauen Bereitstellung am Point of Sale anbieten. Hier besteht für unsere Kunden und uns noch ein grosser Spielraum nach oben. Darüber hinaus sind wir momentan auch dabei, unser Produktportfolio zu internationalisieren bzw. auch auf lokale Markt-Begebenheiten anzupassen und neue Zielgruppen wie beispielsweise Versicherungen zu erschliessen. Im deutschen Markt werden wir hier, neben unserem Hauptgeschäft, der Daten- und Dokumentenverteilung, unseren Fokus vor allem auf die Erstellung von Fondsdokumenten und Webseiten legen.
Gasser: Für unsere im Rahmen der strategischen Allianz mit Credit Suisse Asset Management gemangten Fonds sehen wir in der Schweiz und international noch grosse Wachstumschancen. Der deutsche Markt steht dabei ganz oben auf der Prioritätenliste. Neben dem organischen Wachstum und der Steigerung der verwalteten Vermögen bei bestehenden Kunden können auch Optionen wie Allianzen, Kooperationen und Zusammenschlüsse zukünftig durchaus eine Rolle in unseren Wachstumsplänen spielen.



