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15. «Experten-Roundtable», Zürich, 28.06.2022

Fotos: Christian Lanz

Eine ganze Menge an fachlicher Kompetenz in einem kollegialen Umfeld

Am Dienstag, 28.06.2022, fand der 15. Fundplat «Experten-Roundtable» in Zürich im Hotel Glockenhof statt. Es war mir als Moderator eine grosse Freude, so eine Menge an fachlicher Kompetenz am Tisch begrüssen zu dürfen. Das Gespräch war überaus kollegial. Es nahmen teil: Markus Baumgartner, b-public AG, Zürich; Stan Hlad, ThomasLloyd Global Asset Management (Schweiz) AG, Zürich; Raimund Müller, UBS Asset Management Switzerland AG, Zürich; Volker Varnholt, MRB Vermögensverwaltungs AG, Zürich und Bernhard Wenger, 21Shares AG, Zürich. Thomas J. Caduff, CEO, Fundplat GmbH

• Caduff: Meine Herren, das erste Halbjahr liegt hinter uns. Sind Sie geschäftlich zufrieden?

Müller: Nachhaltiges Investieren erlebt seit einigen Jahren einen Boom und wird immer mehr zur Norm. Es freut mich besonders, dass unsere nachhal­tigen ETFs auch in den turbu­lenten Zeiten des ersten Halb­jahres 2022 nachge­fragt waren. So konnten «S&P500 ESG», «MSCI Switzerland IMI SRI», «Gender Equality» und «SPI ESG» deutliche Zuflüsse verbuchen. Aber auch Rohstoff- und rohstoff­bezo­gene Aktien-ETFs (Australien, Kanada oder Gross­britannien) verzeich­neten eine starke Inves­toren­nach­frage.

Hlad: Ja. Die jüngsten Ereig­nisse haben gezeigt, vor welchen Heraus­forde­rungen dieje­nigen stehen, die in Zeiten von Versor­gungs­unter­brechungen auf die Einfuhr fossiler Brenn­stoffe ange­wiesen sind. In Verbindung mit einem günstigen poli­ti­schen Umfeld in Asien verschafft uns dies starken Rücken­wind und macht unsere Projekte und Inves­titions­lösungen rele­vanter und attrak­tiver denn je. Für die weitere Entwicklung unseres kürzlich aufge­legten und börsen­no­tierten Invest­ment­trusts sind wir zuver­sicht­lich.

Varnholt: MRB ist Spezialist für Fonds­strukturen und deren Verwaltung. Immer mehr Vermö­gens­ver­walter nutzen diese Möglich­keit, um ihr Geschäft strategisch zu erweitern. Die Nachfrage nach unseren Lösungen ist derzeit so stark wie selten zuvor. Das verschärfte regu­lato­rische Umfeld für Vermö­gens­ver­walter in der Schweiz macht uns zu einem gesuchten Lösungs­partner. Wir konnten neue Fonds und AMCs lancieren. Eine Vielzahl neuer Projekte ist in der Planungs­phase. Alles in allem war es ein geschäftlich erfolg­reiches Halbjahr.

Baumgartner: Ja, ich bin sehr dankbar. Privat und geschäftlich erlebe ich viel Gefreutes. Eine posi­tive Einstellung hilft mir auch in schwierigen Zeiten wie diesen. So konnten wir unser Port­folio in der Finanz­kommu­ni­kation gezielt ausbauen. Neu unter­stützen wir einen bedeu­tenden Schweizer Anbieter von Grünstrom im Rahmen der Energie­wende. Ich freue mich auf alles, was noch kommen wird. Besonders darauf, weiterhin Menschen mit meinem Know-how und meinen Dienst­leistungen zu begleiten.

Wenger: Ich denke für 21Shares als auf Krypto-Assets spezia­li­sierter Anbieter war es ein heraus­for­derndes erstes Halb­jahr, vor allem im Hinblick auf die Entwick­lung an den Märkten. Wobei man ehr­licher­weise sagen muss, dass tradi­tio­nelle Asset­klassen, seien es Aktien oder Anleihen, in einem ähn­lichen Umfeld agieren. Was mich positiv stimmt, ist, dass wir durch­wegs Netto­mittel­zu­flüsse sahen und weiter­hin sehen, Inves­toren finden anscheinend aktuell eine gute Gele­gen­heit, in Krypto-Assets zu inves­tieren.

• Caduff: Auf den Punkt gebracht: Was genau hat Ihnen am meisten Freude bereitet?

Varnholt: Einer der profi­lier­testen Fonds­manager in Schweizer Aktien – Simon Götschmann – hat mit unserer Unter­stützung einen eigenen Fonds aufge­setzt und konnte diesen erfolgreich starten. Für einen Schweizer Vermö­gens­ver­walter begleiten wir derzeit die Lancierung eines gewichtigen High-Yield-Bond-Fonds, für den wir auch die regu­lato­rische Funktion des Investment Managers übernehmen. Der Fonds­initiator kümmert sich um seine Anlage­entscheide und um seine Kunden, MRB kümmert sich um alle ope­ra­tiven und regu­lato­rischen Aspekte.

Wenger: Die Mittel­zuflüsse, die wir erfahren, sind ein Zeichen des Vertrauens in 21Shares und in ETPs als regu­lierte, transpa­rente Vehikel, Krypto-Inves­ti­tionen sicher und effizient umsetzen zu können. Dies bereitet mir die meiste Freude und auch, dass inno­va­tive Produkte wie unser ETP auf Gold und Bitcoin gut ange­nommen werden. Erfrischend auch die Tatsache, dass wir inmitten der Kurs­korrek­turen mit unseren Markt­ana­lysen punkten und so viel Aufklä­rungs­arbeit zum Krypto-Markt leisten können.

Hlad: Wie erwähnt, haben wir Ende letzten Jahres einen «Energy Impact Trust» an der Londoner Börse aufgelegt. TLEI ist das erste und einzige Unter­nehmen an der LSEG, das direkten Zugang zu nachhal­tiger Energie­infra­struktur in den schnell wachsenden Volks­wirt­schaften Asiens bietet. Wir sind auch sehr stolz darauf, dass zusätzlich zu den Inves­titionen der britischen Regierung bedeutende Mittel von in der Schweiz ansässigen Inves­toren akquiriert wurden, die zum Gesamt­erfolg des Börsen­gangs beitrugen.

Baumgartner: Mein Sohn (26) hat sich mit einer eigenen Video-Firma selbständig gemacht. Meine Tochter (23) darf ein einjähriges Ausbildungs­volon­tariat als Journa­listin bei einer Tages­zeitung absol­vieren. Da fällt der Apfel gleich doppelt nicht so weit vom Stamm. Daneben ist es jedes Mal sehr befrie­digend, wenn ich meinen Kunden mit Medien­platzie­rungen zu mehr Visi­bi­lität ihrer Exper­tise verhelfen kann.

Müller: Die seit elf Jahren etablierte MSCI SRI-Familie erfreut sich an hoher Nach­frage. Wobei wir mit der Zeit gehen und unser Angebot stetig weiter­ent­wickeln. So bieten wir bereits seit 2020 die opti­mierte MSCI SRI Low Carbon Select (LCS)-Familie an, welche höhere Umwelt­anfor­derungen umsetzt. Darüber hinaus sind für uns auf dem Heim­markt die Schweizer ESG ETFs wie «SPI ESG» und «SBI AAA-BBB ESG» oder «CHF Corpo­rates ESG» wichtig.

• Caduff: Wo wollen Sie in der zweiten Hälfte die Schwer­punkte setzen?

Wenger: Wir rechnen in der zweiten Hälfte des Jahres weiterhin mit vola­tilen Märkten und machen uns Gedanken, wie wir Inves­toren spannende und effi­ziente Lösungen in diesem Umfeld zur Verfügung stellen können. Das schon erwähnte Produkt auf Gold und Bitcoin ist ein gutes Beispiel. Es ist unser Anspruch, Krypto-ETPs für jedes Markt­umfeld im Angebot zu haben. Über allem steht unser Research­team, das sich zur Aufgabe gemacht hat, allen Inte­res­sierten möglichst detail­lierte Infor­mationen zu liefern.

Varnholt: Unsere Schwer­punkte ändern sich nicht: Wir struktu­rieren und betreiben Fonds und AMCs zusammen mit unseren Kunden/Partnern. Neue Tätig­keits­felder erschliessen wir entsprechend der Bedürf­nisse unserer Kunden. So sind wir seit dem zweiten Quartal FINMA-bewil­ligter Vertreter auslän­discher Fonds in der Schweiz. Zudem läuft aktuell ein weiterer Antrag bei der FINMA, um zeitnah auch irische Fonds verwalten zu dürfen.

Müller: Klima­risiken sind der zentrale Fokus­punkt und werden von der Low-Carbon-Select-Opti­mierung beim MSCI SRI und MSCI ESG Uni­versal aufge­griffen. Grüner und sauberer ist das Ziel – daher sind deutlich weniger Unter­nehmen mit hohem CO2-Verbrauch enthalten als in anderen MSCI SRI/ESG Uni­versal-Kon­zep­ten. Eine weiterer Erfolgs­faktor ist unsere Steward­ship-Strategie, mit der UBS Asset Mana­gement seit Jahren führend ist. Für sämt­liche Anlagen wird ein aktives Enga­gement umgesetzt.

Baumgartner: Die Rahmen­bedin­gungen bleiben anspruchs­voll. Viele machen sich sorgen wegen Inflation, Geld­politik, Rezession, Bären­märkte oder geo­poli­tischen Fragen. Ein Krieg mitten in Europa drückt auf das Gemüt. Da will ich es nicht verpassen, die kleinen Aufsteller des Alltags umso mehr zu schätzen. In unserer Arbeit ist Konti­nuität wichtig, an den Themen dran­bleiben, kritisch-positiv und kreativ zu denken. Diese Stetig­keit zahlt sich lang­fristig aus.

Hlad: Wir werden unsere Inves­toren­basis weiter ausbauen und diver­sifi­zieren und weiterhin mit Anlegern in Kontakt treten und sie über die Notwen­digkeit infor­mie­ren, Kapital in Schwellen­länder zu inves­tieren, um bis 2050 «Net-Zero» zu erreichen. In unseren Ziel­märkten besteht ein geschätztes Finan­zierungs­defizit von ca. 1 Billion US-Dollar für die derzei­tigen Infra­struk­tur­inves­titionen. Wir glauben, dass privates Kapital eine entschei­dende Rolle bei der Schliessung dieser Finan­zie­rungs­lücke spielen muss.

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