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16. «Experten-Roundtable», Zürich, 27.09.2022

Fotos: Christian Lanz

Vier Profis geben tiefe Einblicke in ihr Geschäft

Es war mir eine grosse Freude und Ehre, am 27.09.2022 in Zürich den 16. Fundplat «Experten-Roundtable» moderieren zu dürfen. Es nahmen teil: Neda Derlokova, Northern Trust Switzerland, Basel; Oliver Heusser, Bank Julius Baer & Co. Ltd., Zürich; Philipp Prömm, Shareholder Value Management AG, Frankfurt und Karl D. Safft, Seilern International AG, Vaduz. Herzlichen Dank Euch allen! Thomas J. Caduff, CEO, Fundplat GmbH

• Caduff: Meine Dame, meine Herren, was war Ihr schönstes beruf­liches Erlebnis in diesem Jahr?

Prömm: Wir haben in diesem Jahr unseren ersten ETF an den Start gebracht. Dieser bildet den Frankfurter Modern Value Index ab. Diesen Index haben wir selbst entwickelt, er enthält die 25 Unter­nehmen aus unserer Watchlist, denen wir anhand der Kennzahl «Total Shareholder Return» für die nächsten fünf Jahre das höchste Rendite­poten­zial zutrauen. Der ETF ist eine kosten­günstige und liquide Alter­na­tive für Inves­toren, die unsern Modern Value-Ansatz als ein­hundert­prozen­tigen Aktien­bau­stein nutzen möchten.

Derlokova: Anfang dieses Monats haben wir die offizielle Eröffnung unseres neuen Büros in Basel gefeiert, was ein sehr wichtiger Meilen­stein in unserer Entwicklung und unserem Enga­gement für den Schweizer Markt ist.

Heusser: Ganz nach dem Zitat «Die wahre Lebens­kunst besteht darin, im Alltäg­lichen das Wunder­bare zu sehen» ist jeder neue Tag das schönste Erlebnis. Jeder Tag bringt genügend Heraus­for­de­rungen und Gele­gen­heiten, um Erleb­nisse zu kreieren. Man muss nur die richtigen Zutaten nehmen, um sie auch zum schönen oder schönsten Erlebnis zu machen.

Safft: In Märkten wie diesen wird das Vertrauen der Kunden auf die Probe gestellt. Wir sind immer wieder beein­druckt von dem Verständnis, mit dem unsere Kunden ihr Handeln an den soliden Funda­mental­daten unserer Port­folio­unter­nehmen aus­richten und sich nicht von unbe­grün­deter Markt­nervo­sität oder den Verloc­kun­gen des Market Timings leiten lassen. Wir sehen dies auch als Bestä­ti­gung für unsere konse­quente und transpa­rente Kommu­ni­kation.

• Caduff: Die Märkte sind seit Monaten angespannt. Welchen Einfluss hat dies auf Ihr Geschäft?

Heusser: Die aktuelle Lage an den Finanz­märkten und die makro­öko­no­mischen Trends sind dafür verant­wortlich, dass viele Inves­toren vorsich­tiger geworden sind und eine abwar­tende Haltung einge­nommen haben. Die Handels­volumen haben sich deshalb deutlich reduziert. Somit ist einer­seits Geduld gefragt, aber es bleibt auch Zeit, um Denksport zu betreiben und Ideen und Projekte voranzu­treiben.

Prömm: Da wir in unseren Mandaten stark auf Aktien fokussiert sind, merken wir, dass die Anleger aktuell noch abwarten. Aus unserer Sicht haben wir an den Börsen den Boden bislang auch noch nicht erreicht. Zwar ist das Umfeld jetzt schon extrem schwierig, aber wir haben den finalen «Sell-off» noch nicht gesehen. Deshalb sind wir auch in unseren Mandaten zurück­haltend und haben dieses Jahr mit dieser defen­siven Einstellung auch kaum Geld verloren.

Safft: Unser Ziel ist, das Kapital unserer Kunden lang­fristig zu erhalten und zu vermehren. In Zeiten erhöhter Vola­ti­lität ändert sich für unser Anlage­team wenig. Sein Fokus bleibt die Iden­tifi­kation von Quality-Growth-Unter­nehmen und die Kontrolle unserer Port­folios. Die aktuelle Markt­lage veran­lasste uns aber, noch mehr mit unseren Kunden zu kommu­ni­zieren, schriftlich sowie mit virtuellen und physischen Road­shows. Es ist uns wichtig, Kunden und Inte­ressenten klar und transparent zu infor­mieren.

Derlokova: Die Unter­stützung bei ungünstigen Marktereig­nissen ist einer der Haupt­gründe, warum sich unsere Kunden auf jemanden wie uns verlassen. Obwohl es vielleicht nicht glamourös ist, ist Asset Servicing ein sehr wichtiger Teil des Finanz­systems, auf den sich jeder verlässt, und wir haben insti­tutio­nellen Anlegern mit unserer globalen, stabilen und sicheren Plattform Stabi­lität geboten. Unser Ruf hängt von unserer Zuver­lässig­keit und Belast­barkeit ab, die sich in einem schwierigen Umfeld besonders bemerkbar machen.

• Caduff: Der Wettbewerb in der Finanzindustrie ist intensiv. Können Sie eine USP (Unique Selling Propo­sition) anbieten?

Safft: Wir haben einen Fokus: den Aufbau konzen­trierter Port­folios aus OECD-gelis­teten Quality-Growth-Aktien aus einem Uni­versum von ca. 50 bis 70 Unter­nehmen welt­weit. Sie sind das Ergebnis eines monate­langen, firmen­eigenen Analyse- und Auswahl­prozesses. Die Aufnahme in das Seilern Uni­versum erfordert die Zustimmung des gesamten Invest­ment­teams. Unser Vorteil liegt in der Tiefe unseres Research, das wir für jede unserer Inves­ti­tionen durch­führen, und der Disziplin, mit der wir unser Uni­versum pflegen.

Heusser: Als Market Maker sind wir für die Preis­stellung und den reibungs­losen Handels­verlauf verant­wortlich. Wir haben in Zusammen­arbeit mit SIX Swiss Exchange Pionier­arbeit für den börslichen Handel von klassischen Anlage­fonds geleistet und diesen laufend weiter­ent­wickelt. Anleger profi­tieren im Sponsored-Funds-Segment von einer standar­di­sierten Auftrags­ausführung für Anlage­fonds. In einer Zeit, in der Trans­parenz und Auto­mati­sierung zum Alltag gehören, ist dies im Anlage­bereich nicht mehr weg­zu­denken.

Derlokova: Das Aufkommen von Fintechs und die Nachfrage nach Inter­opera­bilität zwischen Techno­logien sind die wichtigsten Treiber für unsere Geschäfts­strategie, die wir «Whole Office» nennen. Letzt­endlich fallen die Heraus­for­de­rungen der Kunden in eine von zwei grossen Kate­gorien: die Notwen­digkeit, Kosten und Komple­xität zu bewäl­tigen und das Alpha durch verbesserte Inves­titions­ent­scheidungen und die Ausweitung des Vertriebs voran­zu­treiben. Bei «Whole Office» geht es darum, mit den Kunden zusammen­zu­arbeiten, um ihre Geschäfts­priori­täten zu identi­fizieren und die richtige Kombi­nation von Lösungen darzu­stellen, um beide Kategorien zu meistern.

Prömm: Wir haben gleich mehrere! Wir inves­tieren nachhaltig und setzen lang­fris­tige auf eigen­tümer­geführte Quali­täts­unter­nehmen, die es in ihrem Segment geschafft haben, ein wirt­schaft­liches Allein­stellungs­merkmal aufzu­bauen, das ihr Geschäfts­modell wie ein Burg­graben schützt. Das in Kombi­nation mit unserer jahr­zehnte­langen Erfahrung führt zu aktien­markt­ähn­lichen Renditen mit deutlich gerin­geren Schwankungen.

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