KI-Dialog auf Profi-Niveau: Zwei Stunden geballtes Wissen
Am Dienstag, 24. Februar 2026, traf ich mich von 09:30 Uhr bis 11:30 Uhr im historischen Schwyzerstübli im Zentrum Glockenhof mitten in der Zürcher Innenstadt mit den folgenden Teilnehmenden (alphabetisch): Markus Baumgartner, b-public AG, Zürich; Rula Iparyaris, Aviva Investors Schweiz GmbH, Zürich; Jürgen Kob, Friends & Finance, Rotkreuz und Johannes J. Schickentanz, Rehwald Associates Switzerland GmbH, Zürich.
Zu Beginn informierte ich die Runde über den aktuellen Stand unserer erst vor wenigen Tagen gestarteten Initiative «The AI Finance Hub» Zürich – Frankfurt – Dubai, die in der Community schon viel Aufmerksamkeit erzeugt. Ausserdem hatte ich die Februar-Ausgabe der BILANZ dabei, die den Titel «HOPP SCHWAIZ» trägt. Der zehnseitige Bericht ist eine Pflichtlektüre für alle, die sich für Künstliche Intelligenz interessieren, denn die Schweiz zählt mit Zürich als Hotspot zu den weltweit wichtigsten AI-Hubs.
Das war der perfekte Einstieg für zwei Stunden intensiver und engagierter Diskussionen über KI und aktuelle Entwicklungen in der Branche – mit einem kurzen Blick darauf, wie LinkedIn dabei praktisch eingesetzt werden kann. Wir alle konnten viel voneinander lernen, und die Stimmung war ausgesprochen kollegial. Herzlichen Dank an Euch alle – besonders für Eure sorgfältige Vorbereitung und das aktive Mitgestalten unseres Treffens! Thomas J. Caduff, CEO, Fundplat GmbH
• Caduff, herzlich willkommen in der Runde: Schreiben Sie noch selbst oder lassen Sie KI Ihre Texte erstellen?
Baumgartner: Dank KI-Systemen bricht ein neues, goldiges Zeitalter an. Tätigkeiten, die Intelligenz erfordern, übernimmt nun der KI-Assistent. Doch menschliche und Künstliche Intelligenz sind nicht das Gleiche. KI-Systeme sind nicht lebendig. Sie basieren auf statistischen Folgerungen, was zu Mittelmässigkeit führt. Daher ist es mir eine Freude, mit kreativen, fröhlichen und wilden Ansätzen Texte immer wieder selbst zu schreiben.
Kob: Ja, ich schreibe selbst. Und ich arbeite mit KI. Für mich ist das kein Entweder-oder, sondern eine Art «Symbiose» aus beiden. Die Gedanken, die Haltung und die Erfahrung kommen von mir. KI nutze ich als «Sparringspartner» für die Struktur oder neue Blickwinkel/Ideen. Sie hilft mir, schneller klar zu denken und blinde Flecken zu erkennen. Den finalen Text verantworte ich jedoch selbst. Ich prüfe grundsätzlich jede Aussage und stelle sicher, dass diese auch nach mir klingt und meiner Meinung entspricht. KI ist für mich ein Werkzeug, zugegeben ein wirklich geniales Werkzeug. Aber die Verantwortung bleibt immer bei mir.
Es ist sehr effektiv, den Copilot zum Verfeinern zu benutzen. Rula Ipsaryaris
Ipsaryaris: Beides, ich schreibe noch selbst, benutze jedoch Copilot oft zum Redigieren, Verfeinern oder als Vorschlags-Tool. Speziell, wenn ich nicht in meiner Muttersprache schreiben muss, ist es sehr effektiv, den Copilot zum Verfeinern zu benutzen, auch zum Beispiel um «diplomatischer» zu formulieren.
Schickentanz: KI ist für mich in erster Linie ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung, etwa für erste Entwürfe oder zur Strukturierung von Gedanken. Die eigentliche Botschaft und Tonalität, insbesondere in der Kommunikation mit Kandidaten oder Kunden, entsteht aber weiterhin selbst. Gerade im Executive Search geht es am Ende um Vertrauen und feine Nuancen – und das lässt sich nicht automatisieren.
• Caduff: LinkedIn gilt als Karrierebooster – warum sind trotzdem so wenige Finanzprofis aktiv, und wie sieht es bei Ihnen aus?
LinkedIn ist für mich kein Nice-to-have, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil. Jürgen Kob
Kob: LinkedIn ist definitiv ein Karrierebooster! Und trotzdem sind viele Finanzprofis dort auffallend leise. Ich glaube, das hat viel mit Regulierung, Reputationsrisiko und Zeitmangel zu tun. Und auch die Angst, angreifbar zu werden, ist häufig ein Grund für die Zurückhaltung auf dem weltweit grössten Business-Netzwerk. Ich selbst sehe in LinkedIn die einmalige Chance, sich auf einfachste Weise ein wertvolles Netzwerk aufzubauen, welches mich auf meinem Karriereweg klar unterstützen kann. Allein folgende Überlegung sollte dies klarmachen: Zwei absolut gleiche Bewerber – gleiche Ausbildung, Gehaltswunsch usw. – einer mit gepflegtem LinkedIn-Profil und 2’000 Kontakten – der andere mit Platzhalter-Bild und drei Kontakten. Wer wird wohl den Job bekommen?
Ipsaryaris: Wir bei Aviva Investors benutzen LinkedIn vorwiegend als Plattform, um unsere «Thought Leadership, Events, Insights» zu posten. Wir haben bei uns intern ein Team, das uns dabei unterstützt. Aber ich denke schon, dass LinkedIn ein gutes soziales Netzwerk ist, um sich karrieremässig zu positionieren.
Viele Personen der Branche erleben eine zunehmende Content-Flut.
Johannes J. Schickentanz
Schickentanz: Viele Personen der Branche erleben eine zunehmende Content-Flut. Entsprechend gilt für viele: Weniger ist mehr. Statt häufiger Präsenz liegt der Fokus darauf, mit gezielten Beiträgen echten inhaltlichen Mehrwert zu liefern. Ich versuche daher, bewusst sichtbar zu sein – nicht durch Selbstvermarktung, sondern durch inhaltlich relevante Beiträge rund um die Themen Asset Management und Executive Search.
Baumgartner: LinkedIn ist nicht nur wichtig für die Karriere. Man kann auch seine Reputation erhöhen und eine Community bilden. Das sollte für alle, die irgendeine Berührung mit dem Verkauf haben, sensibilisieren. Auf LinkedIn präsent sein, hat auch ein wenig mit Arbeit zu tun. Doch 10-15 Minuten pro Tag genügen. Das kann eine Pause oder eine Fahrt mit dem Tram sein. Es geht nicht nur um Selbstdarstellung, sondern auch um Liken und Kommentieren bei Freunden in der Community. Diese Arbeit mache ich persönlich gerne.
• Caduff: Bleiben Sie bei Ihrem Kommunikationssetup oder ändern Sie etwas – wenn ja, was?
Schickentanz: Technologie wird künftig verstärkt als unterstützendes Tool bei standardisierten oder routinemässigen Aufgaben zum Einsatz kommen. Gleichzeitig sehen wir im Executive Search, dass die persönliche Note in der Interaktion durch den zunehmenden Technologieeinsatz insgesamt weiter an Bedeutung gewinnt. Unser Fokus liegt daher auf der Kombination aus Effizienz durch Technologie und echter, persönlicher Interaktion – denn am Ende ist und bleibt es ein People Business.
Gute, ehrliche Arbeit erfordert Wissen und praktische Erfahrung. Markus Baumgartner
Baumgartner: KI-Systeme haben einen grossen Nutzen im raschen Verarbeiten von gigantischen Datenmengen. Entscheidend ist allerdings ihr richtiger Gebrauch. Es besteht die Gefahr, dass durch das Delegieren von Aufgaben wir weniger praktische Erfahrungen sammeln. Gute, ehrliche Arbeit erfordert Wissen und praktische Erfahrung. Das bedeutet Anstrengung und Schweiss. Ich bleibe also neugierig und setze mit KI Neues um, wenn es Mehrwert bringt.
Ipsaryaris: Selbstverständlich ändert sich das Kommunikationssetup mit der technischen Entwicklung stetig nach dem Motto «Use it or lose it». Beispielsweise nach Corona sind virtuelle Meetings weitgehend akzeptiert, auch für Produkt-Pitches, was vor Corona undenkbar gewesen wäre.
Kob: Mein «Kommunikationssetup» ändert sich – gefühlt – täglich. Aufgrund der modernen IT sowie rasant wachsenden KI-Möglichkeiten wird die Kommunikation zwar grundsätzlich einfacher, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich selbst der Entwicklung fast nicht mehr hinterherkomme und es auch Stress auslösen kann. Das merke ich dann, wenn ich reale, emotionale Gespräche mit echten Menschen im wirklichen Leben führen darf, so wie beispielsweise auf Deinen Fundplat Events.






