Bewährte Prinzipien, neue Chancen: Erfolgreich investieren im Wandel
Vor wenigen Tagen traf ich Simon Götschmann in den Räumlichkeiten der MRB Fund Partners AG, zwischen Paradeplatz und See, zu einem Gespräch über bewährte Anlageprinzipien und neue Chancen in einem sich wandelnden Marktumfeld. Die von ihm verantwortete Arkudos 130/30 Strategie hat den Schweizer Markt erneut deutlich hinter sich gelassen.
Er erläutert, weshalb Flexibilität, Disziplin und ein konsequenter Analyseprozess gerade in politisch turbulenten Zeiten entscheidend sind – und wie künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten eröffnet, ohne menschliche Urteilskraft und den kreativen Anlageprozess zu ersetzen. Die Lektüre empfehle ich Ihnen gerne. Thomas J. Caduff, CEO, Fundplat GmbH
• Caduff: Herr Götschmann, vor einem Jahr haben wir uns getroffen. Seither hat die von Ihnen verwaltete Arkudos 130/30 Strategie einmal mehr den Schweizer Markt deutlich hinter sich gelassen. Was waren die Gründe?
Götschmann: Der Fonds konnte seine Stärke ausspielen, indem er auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen konnte. Gerade bei hektischen, politischen Börsen, wie wir sie momentan erleben, ist diese Flexibilität gegenüber passiven Anlagen oder Long-Only-Fonds ein entscheidender Vorteil. Unser Anlageprozess hat sich weiterhin bewährt. In 85% der Anlageentscheidungen lagen wir richtig, sowohl auf der Long- wie auch auf der Short-Seite. Falsch lagen wir bei Biotechnologietiteln.
• Caduff: Sie wirken auch in einem sich laufend verändernden Marktumfeld sehr gelassen. Wie gehen Sie persönlich mit den Schwankungen um?
Wer sich von Emotionen leiten lässt, verliert den Blick für das Wesentliche. Simon Götschmann
Götschmann: Mit einem erhöhten Konsum an Schokolade (lacht). Spass beiseite, ein klarer, disziplinierter Prozess hilft, sich von Trump & Co. nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Wir treffen Entscheide auf Basis von Analysen, nicht von Schlagzeilen. Börsenguru André Kostolany sagte einmal: «Hin und her macht Taschen leer. » Wer ständig auf die Kurse schaut und sich von Tweets und Emotionen leiten lässt, der verliert. Abstand schafft manchmal Klarheit. Zudem wissen wir dank der Short-Positionen, dass wir nicht vollständig dem Markt ausgeliefert sind. Dies gibt nicht nur dem Fonds Stabilität, sondern sorgt auch für einen tieferen Schlaf.
• Caduff: Bleiben Sie Ihrem bisherigen Analyseansatz weiterhin treu, oder gibt es Bereiche, in denen Sie künftig bewusst neue Wege ausprobieren möchten?
Götschmann: Unser proprietärer fundamentaler Anlageansatz hat sich seit über 20 Jahren in verschiedensten Marktphasen bewährt. Was sich geändert hat und wo wir uns laufend verbessern, sind die Mittel zum Zweck. Künstliche Intelligenz (KI) hilft uns, enorme Datenmengen schneller zu analysieren und Muster schneller zu erkennen. Wir setzen sie gezielt in der Analyse und im Risikomanagement ein. Wenn ein Unternehmen ihre Quartalszahlen publiziert, wissen wir heute innerhalb von Minuten, ob die Resultate gut oder schlecht sind und wo man genauer hinschauen muss. Die Antworten der KI sind aber nur so gut, wie die Fragen, die man ihr stellt und die Daten, die sie zur Verfügung hat. Wenn man nicht weiss, wonach man sucht, findet man nichts. In diesem Sinne ist KI ein effizientes Werkzeug, ersetzt den kreativen Prozess und den Anlageentscheid aber nicht. Paradoxerweise führt KI zu ineffizienteren Märkten, weil sich immer mehr Teilnehmer auf passives Investieren nach Algorithmen verlassen, was Marktbewegungen in beide Richtungen verstärkt. Dies ist eine Opportunität für uns, verlangt aber ein schnelleres Agieren als früher.



