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Chinas Gesundheits­industrie am Wende­punkt

Remo Krauer
Senior Portfolio Manager - Bellevue Healthcare Asia Pacific Fonds
Bellevue Asset Management AG, Küsnacht ZH
Web

10.03.2022

Herr Krauer, der chinesische Gesundheits­sektor hat stark aufgeholt. Was bedeutet das für Anleger?

Aus der zunehmenden Reife des chine­sischen Gesundheits­sektors ergeben sich momentan attrak­tive Anlage­chancen. Aktuell notieren die Bewer­tungen zwar auf Tief­ständen. Zu Unrecht, wie wir meinen, denn trotz der starken Funda­mental­daten wurde der Sektor 2021 im Zuge des allge­meinen Ausver­kaufs bei chine­sischen Aktien mit in die Tiefe gezogen. Wir sehen dagegen viele Anzeichen für gute Ergeb­nisse.

Welche Anzeichen sind das?

Chinas Gesundheits­industrie ist zu einem öko­no­mischen Schlüssel­faktor des Landes geworden. Man schätzt, dass der Sektor in den nächsten Jahren im Schnitt um 10 bis 12 Prozent wachsen wird – doppelt so stark wie das chine­sische Brutto­inlands­produkt. Im Jahr 2050 wird sich der Anteil der über 60-Jährigen in China auf rund ein Drittel der Gesamt­bevöl­kerung erhöht haben. Zeit­gleich steigt mit dem Wohl­stand der stark wachsenden Mittel­schicht das Bedürfnis nach einer quali­tativ hoch­wertigen Gesund­heits­ver­sorgung. Um die Bevöl­kerung zufrieden­zustellen, räumt die regie­rende Kommunis­tische Partei dem Ausbau einer unab­hän­gigen und quali­tativ hoch­wer­tigen Gesund­heits­ver­sorgung eine hohe Priorität ein. Entspre­chende geld- und fiskal­poli­tische Stimuli fördern diese Entwicklung.

Was bedeutet das konkret?

Zum einen bleiben der Zugang und die Bezahl­barkeit von Medi­ka­menten und Dienst­leis­tungen ein zentrales Element der Regie­rungs­politik. Zum anderen sorgen die verbes­serten Rahmen­bedin­gungen dafür, dass China bei der Entwicklung von inno­va­tiven Therapien gegen­über dem Westen und hier vor allem den USA immer stärker aufholt. So veröffent­licht China hinter den USA mittler­weile die meisten wissen­schaft­lichen Publi­kationen über Bio­tech­no­logie. Schätzungen zufolge wird ein jähr­liches Wachstum von Chinas Medi­kamen­ten­markt von 14 Prozent erwartet. Gleich­zeitig soll sich der Anteil der Ori­ginal­medi­kamente mit Patent­schutz am Gesamt­umsatz von 40 auf 64 Prozent erhöhen. Gleich­zeitig werden immer mehr chine­sische Bio­tech­firmen für inter­natio­nale bio­pharma­zeutische Unter­nehmen zum Partner der Wahl für den Markt­eintritt in China, was die Entwicklung, Zulassung und Vermarktung von Arzneien angeht.

Gibt es Bereiche, in denen China besonders stark ist?

In der Krebs­medizin haben chine­sische Biotechs unter den neuen Therapie­ansätzen bei den Immun­therapien, bispezi­fischen Anti­körpern und mit Chemo­adju­vantien verstärkten Anti­körpern (ADCs) Erfolge erzielt. Dasselbe gilt für die Zell- und Gen­therapien. Auch in der Diabetes­behandlung macht China Fort­schritte, so dass lokale Anbieter Markt­anteile gewinnen. Und schlussendlich entwickeln und produ­zieren chine­sische Firmen Impf­stoffe, Anti­körper und anti­virale Therapien gegen Covid-19.

Die Fragen stellte Thomas J. Caduff, CEO, Fundplat GmbH.

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Zur Person

Remo Krauer ist seit 2018 Senior Portfolio Manager Health­care Funds & Mandates bei Bellevue Asset Mana­gement. Zuvor war er bei der Zürcher Kantonal­bank tätig, zuerst als Senior Port­folio Manager, dann als Head Port­folio-Konstruktion für Private Vermö­gens­ver­waltung. Er hat einen Bachelor­abschluss in Betriebs­öko­nomie von der Zürcher Hoch­schule für Ange­wandte Wissen­schaften.